Die populäre Messaging-App Telegram wurde in Russland verboten. Ein russisches Gericht entschied am 13. April ein Verbot des Nachrichtenservices und entschied somit zugunsten der russischen Regierung. Berichten zufolge tritt das Verbot des Messaging-Giganten sofort in Kraft. Die Entscheidung kam eine Woche nach Einreichung einer Klage seitens des russischen Telekommunikations-Wachhundes Roskomnadzor eine Klage einreichte, die das Ziel verfolgte, den Zugang für Nutzer der Messaging-App einzuschränken.

Die Anhörung nahm weniger als 20 Minuten Zeit in Anspruch. Der Richter gab Telegram die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen, was bis zu einem Monat dauern kann. Die Anwälte des Unternehmens wurden angewiesen, der Anhörung fernzubleiben – ein Ausdruck der Missbilligung des überstüzten Verfahrens. Besagte Anhörung wurde erst am Vortag, dem 12. April, anberaumt.

Das Urteil des russischen Gerichts kommt nicht überraschend, bedenkt man die monatelangen Rechtsstreitigkeiten zwischen der Agentur Roskomnadzor und Telegram. Alles fing damit an, daß der russische Föderale Sicherheitsdienst (FSB) den Zugriff auf Benutzerdaten des Messaging Giganten gefordert hatte. Die Verschlüsselung ist fester Bestandteil der Dienste von Telegram als Nachrichtenanbieter und ermöglicht der großen Nutzergemeinde, mit den Sicherheitsvorteilen verschlüsselter Nachrichten zu kommunizieren, was den Zugriff Dritter auf die Daten einschränkt.

Durchgreifen gegen Telegram

Das Unternehmen weigerte sich zum wiederholten Mal, dem russischen FSB Zugriff auf die verschlüsselten Nachrichten der Nutzer zu gewähren, auch nach der gerichtlichen Entscheidung. Das Unternehmen lehnt diese Forderungen ab, weil sie das Recht der Nutzer auf Privatsphäre respektieren. Die letzte gerichtliche Entscheidung wird ihre Gültigkeit behalten, bis Telegram sich dazu entscheidet, dem russischen Föderalen Sicherheitsdienst die für die Entschlüsselung notwendigen Keys zur Verfügung zu stellen.

“Das Gericht hat beschlossen, der Aufforderung von Roskomnadzor nachzukommen und den Zugang zum Telegram Messenger einzuschränken und die Bereitstellung von technischen Bedingungen für den Nachrichtenaustausch einzustellen. Das Verbot des Zugangs zu Informationen wird so lange Gültigkeit behalten, bis die Forderungen des FSB nach der Bereitstellung von Keys zum Entschlüsseln der Nachrichten der Nutzer erfüllt sind.” – so der Urteilsspruch der Richterin Yulia Smolina.

Seitdem hat der russische Telekommunikations-Wachhund Roskomnadzor Telegram auf seine Liste der verbotenen Webseiten gesetzt, was beim Blockieren des Zugangs zur Messaging-App helfen soll. Der Grund für die Forderungen des russischen FSB ist, die Menschen in Russland vor potenziellen Gefahren wie Rekrutierung von Terroristen und Angriffen zu schützen. Der Messaging-Dienst benötigt den Einsatz von virtuellen privaten Netzwerken, um sicherzustellen, daß Benutzer vollen Zugriff auf ihre Konten haben. Der CEO von Telegram, Pavel Durov, reagierte auf das Verbot und erklärte, daß das Unternehmen alles in seiner Macht Stehende unternehmen werde, um das Verbot zu umgehen. Er fügte auch hinzu:

“Sie haben immer wieder bewiesen, daß das Gerichtssystem den Interessen der Behörden dient. Sie interessieren sich nicht einmal mehr dafür, wenigstens den äußeren Schein zu wahren… Bei Telegram haben wir den Luxus, uns nicht um Einkommensquellen oder Anzeigenverkäufe kümmern zu müssen. Privatsphäre ist nicht zu verkaufen und Menschenrechte dürfen nicht aus Angst oder Gier kompromittiert werden.”

Das Verbot wird Regierungsbeamte betreffen

Das Urteil des russischen Gerichts ist nicht der erste Schritt der Regierung in Sachen Kommunikation. Seit 2016 wendet Russland immer strengere Gesetze gegen den Terrorismus an und eines von ihnen fordert von allen Messaging-Diensten eine Option, die es russischen Behörden ermöglicht, sämtliche Daten zu entschlüsseln. Seitdem hat Telegram diese Gesetze aktiv angefochten. Einer der Rechtsanwälte, die Telegram vertreten, Pavel Chikov , kommunizierte über seinen eigenen Telegram-Kanal:

“Russische Offizielle haben immer wieder bewiesen, daß das Gerichtssystem den Interessen der Behörden dient. Sie wahren mittlerweile nicht einmal mehr den äußeren Schein.”

Eine interessante Tatsache ist, daß das Verbot der Messaging-App auch die Kreml-Mitglieder betrifft, die den Dienst nutzen, um miteinander zu kommunizieren, einschließlich der Leute aus dem Pressebüro des Präsidenten Wladimir Putin.

Dimitry Peskov, ein Sprecher des Kremls, zeigte sich in dieser Angelegenheit völlig unbesorgt. In einer Telefonkonferenz, die am selben Tag, dem 13. April, stattfand (an einem Freitag, dem 13., zufälligerweise) und auch auf Telegram erwähnte Dimitry Peskov andere Optionen für Messaging-Apps. Es wurde berichtet, dass Viber eine gute Alternative für Regierungsbeamte sein könnte. Er fügte hinzu:

“Die Einschränkung des Zugangs war nicht das Ziel an und für sich. Es gibt gewisse rechtliche Bedingungen, wie etwa die Bereitstellung von Daten an bestimmte russische staatliche Stellen. Die Erfüllung dieser Bedingungen hätte einen Konsens ermöglicht. Aber leider wurde dieser Konsens nicht erreicht.”

Telegram Initial Coin Offering

Telegram wird auf Platz 9 der weltweit beliebtesten Messaging-Apps geführt und ist in Ländern des Nahen Ostens, Asiens und der ehemaligen Sowjetunion sehr beliebt. Die Messaging-App ist der zweite weltweit operierende Dienst, der nach dem Verbot von LinkedIn im Jahr 2016 in Russland verboten wurde. Die Investoren werden nun sehr genau beobachten, was geschieht, denn das Datum des Initial Coin Offering des Unternehmens rückt jeden Tag näher.

Der Vorverkauf von Telegrams Token brach alle bisherigen ICO-Rekorde und wurde zum höchstfinanzierten ICO der Geschichte. Er brachte mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar in nur zwei privaten Verkäufen ein. Aber ist das ICO von Telegram vielleicht überbewertet? Gibt es Gründe dafür oder ist es eine großartige Investition? Lesen Sie unseren Artikel „ Ist Telegrams ICO überbewertet?

Aufgrund des enormen Kapitals, das angesammelt wurde, und einiger anderer Faktoren, kann sich das Unternehmen jedoch dazu entschließen, sein hochkarätiges Initial Coin Offering letzendlich doch abzusagen. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, warum diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen ist, lesen Sie unseren Artikel.

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About Peio Purlev

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